Wie schafft man es, nicht gleichgültig zu werden?

Irgendwie will ich es gerade nicht mehr lesen. Mich nicht damit beschäftigen. Welche Dinge sich unser fröhlicher Innen- und Heimatminister (der mir unser Land sicher nicht heimatlicher macht) sich wieder ausgedacht hat, um Menschen zu schikanieren, die all ihre Lebenshoffnung in dieses unser Land gesetzt haben.

Es ist so leicht, in diese Lethargie abzurutschen, in der man resigniert und alles egal wird, weil man sowieso nichts ändern kann. Gleichgültigkeit ist das Gegenteil von Liebe.

Aber wie schafft man es, nicht in die Gleichgültigkeit abzurutschen, wenn einen die Schnelligkeit der Veränderung überwältigt?

Vielleicht schafft man es nicht. Vielleicht schafft man es nur, wenn man ganz genau weiß, worauf man sich konzentrieren will. Nämlich: Immer den nächsten Menschen zu retten. Immer das Kirchenasyl zu organisieren, das jetzt gerade am wichtigsten ist. Und mit möglichst vielen Menschen darüber zu reden, so konkret wie möglich, damit sie sehen: Da geht es nicht um irgendwelche Verbrecher, nicht mal um Menschen, die doch in ihrem Land gar nicht verfolgt werden, sondern es geht meistens um Menschen, deren Fluchtgeschichte hier in Deutschland noch nicht mal angehört wird, weil sie das Pech hatten, als erstes in einem anderen Land gelandet zu sein, dass die Bedrohungslage beispielsweise im Irak oder in Afghanistan noch viel weniger wichtig einschätzt als Deutschland. Und ja, es gibt da innerhalb von Europa so große Unterschiede in den Anerkennungsraten, dass man fast von einer Lotterie sprechen kann.

Es geht auch in Fällen, die nach Seehofer demnächst in normalen Gefängnissen landen sollen, bis sie abgeschoben werden, um dramatische Geschichten. Geschichten wie die von einem meiner irakischen Freunde, dem im Fall einer Kettenabschiebung über Schweden in den Irak droht, dass seine Familie ihn umbringt (fragt nicht warum, das ist kompliziert), dass der Staat ihn ins Gefängnis steckt, weil er 2013 mal gegen die Regierung demonstriert hat. Und was passiert, wenn der IS ihn findet, vor dessen Rekrutierungsversuch er 2015 geflohen ist, steht in den Sternen. Aber Schutz in Europa? Fehlanzeige. Stattdessen: Nachts wach am Fenster sitzen und hoffen, dass man es so noch schafft abzuhauen, bevor die Polizei kommt, um nach Schweden abzuschieben. Stattdessen: Sozialleistungen die so niedrig sind, das man sich nur entweder Fahrkarten oder genug zu Essen leisten kann.

Und das schon vor dem Rückkehrgesetz. Mein Word kennt nicht mal den Begriff Rückkehrgesetz, das Wort wird rot unterstrichen während ich es schreibe und Word hat recht: solche Gesetze sollte es nicht geben!

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