Im Himmel hat jeder eine Bleibeperspektive

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Mit Geflüchteten zu arbeiten, ändert meinen Blickwinkel. Meinen Blickwinkel auf das Leben, auf die Privilegien und Ungerechtigkeiten, die es ausmachen, aber auch meinen Blickwinkel auf zentrale Inhalte meines Glaubens.

Deutlich ist mir das geworden, als ich letztens einmal das Experiment unternommen habe, mir bewusst zu machen, wie ich mir den Himmel vorstelle. Nun kann man darüber streiten, ob man das darf, schließlich können wir doch nie wissen, wie das Leben nach dem Tod weitergeht. Und doch habe ich mich mal auf ein Experiment mit einem dieser Konzepte eingelassen. Die Hintergrundvorstellung, die ich aus einer Predigt von Greg Boyd, einem mennonitischen Pastor und Theologen habe, sieht wie folgt aus:

Im Himmel wird es viel besser sein, als alles, was wir uns vorstellen können. Und wenn wir uns ganz bewusst das Beste, was wir uns vorstellen können, wirklich vor Augen stellen, es in unserer Vorstellungskraft erleben und dann Gott bitten, uns zu zeigen, wie es noch ein bisschen besser werden kann, entsteht in uns ein Bild von der Zukunft mit Gott, das zumindest ein wenig an Gottes Realität herankommt.

Und als ich das ausprobiert habe, wurde mir ein Aspekt wichtig, über den ich sonst noch kaum nachgedacht hatte. Er lässt sich zusammenfassen, in dem Satz, der auch zum Titel dieses Blogartikels geworden ist: Im Himmel hat jeder eine Bleibeperspektive.

Jeder darf sein. Niemand muss Angst haben, wieder herausgeworfen, abgeschoben zu werden. Jeder darf bleiben. Keiner muss beweisen, dass er ein Recht hat, da zu sein. Sei es durch Arbeit, Ausbildung, Integration, oder sei es durch Beweise für die eigene Verfolgungsgeschichte.

Schon das eine wundervolle Vorstellung – denn ich erlebe, was es mit Menschen macht, wenn ihr Recht, hier zu sein, ständig in Frage gestellt ist. Wenn ihnen von vornherein keine Bleibeperspektive prognostiziert wird. Wenn sie in ständiger Angst vor Abschiebung leben müssen. Wenn ihr Recht auf Leben in einem sicheren Land immer nur temporär gewährt wird.

Doch dann, dann wird es noch besser. Im Himmel hat jeder noch viel mehr als eine Bleibeperspektive: Im Himmel hat jeder volles Bürgerrecht. Jeder darf mitmachen, mitbestimmen, gehört ganz dazu, ist nicht einfach nur geduldet.

Im Himmel hat jeder Bleibeperspektive. Im Himmel hat jeder volles Bürgerrecht. Und im Himmel ist jeder ein Teil der Familie. Geliebtes, wertgeschätztes Kind Gottes. Niemand ist das schwarze Schaf.

Und wenn ich mir diesen Himmel vorstelle, mit der bunten, wundervollen Familie Gottes, in der jeder Sicherheit und Erfüllung erlebt, wenn ich ganz in diese Vorstellung eintauche, dann erfüllt mich das mit Freude und mit Hoffnung. Freude, weil ich Teil dieser Familie sein darf. Und Hoffnung, dass wir es trotz aller Widrigkeiten schon hier auf Erden schaffen können, einen Teil dieser Vision zu leben.

Bild von melindarmacaronikidcom auf Pixabay

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